Einige psychomagische Akte

Ein junger Mann beklagte sich, er „lebe in den Wolken“, es gelinge ihm nicht, mit „beiden Füßen in der Realität zu landen“, außerdem fehle ihm finanzielle Unabhängigkeit. Jodorowsky nahm ihn beim Wort und trug ihm auf, zwei Goldmünzen unter seine Schuhsohlen zu kleben. So lief der junge Mann den ganzen Tag lang auf Gold und gewann zugleich Bodenkontakt.

Unabhängig voneinander kamen ein Mann und eine Frau zu Jodorowsky, die beide eine französische Mutter und einen afrikanischen Vater hatten. Sie konnten mit ihrer doppelten Herkunft nicht gut umgehen und hatten Komplexe wegen ihrer Hautfarbe. Jodorowsky brachte sie in einem psychomagischen Akt zusammen: Sie sollten zweimal die Champs-Élyssées entlanglaufen, beim ersten Mal schminkte sich der Mann schwarz und die Frau weiß, beim zweiten Mal tauschten sie die Rollen. So machten sie die Erfahrung, wie relativ die Reaktion der Menge auf das eigene Aussehen ist. Der wahre Kern der Persönlichkeit wird nicht berührt.
Der Altmeister des französischen Comics, Moebius alias Jean Giraud, bat Jodorowsky um einen Akt, um mit dem Rauchen aufhören zu können. Jodorowsky fragte nach, ob es ihm auch wirklich ernst sei mit diesem Vorhaben. Als Moebius bejahte, ließ Jodo sich von ihm seine Schachtel Gauloises aushändigen. Auf die eine Seite schrieb er das Wort „Nein“, auf die andere „Ich schaffe das“. Dazu erklärte er: „Meine Magie ist einfach, aber sehr kraftvoll. Um mit dem Rauchen aufzuhören, reicht der Entschluss, und du hast dich entschieden. Jetzt musst du dich nur noch an den Entschluss erinnern.“ Moebius empfing die Zigarettenschachtel wie eine Zeitbombe. Jodorowskys Rat folgend, schenkte er sie sechs Wochen später einem Bedürftigen. Zigaretten rührte er nie mehr an.

Beispiele aus Alejandro Jodorowsky, „Psicomagia“, Siruela 2004