Filmographie

La cravate (1957), 21-minütiger Stummfilm, basierend auf „Die vertauschten Köpfe“ von Thomas Mann, Drehbuch gemeinsam mit Jean Cocteau. Der Film galt als verloren und wurde vor einigen Jahren in Deutschland wiedergefunden, gehört als Extra zur DVD-Box.

Fando y Lis (1968), eine surreale Liebesgeschichte nach dem gleichnamigen Stück von Fernando Arrabal. Der Film wurde auf dem Festival von Acapulco gezeigt – Jodorowsky musste fliehen, da eine aufgebrachte Menge ihn lynchen wollte.

El Topo

El Topo (1970), metaphysischer Spaghetti-Western, bei dem Jodorowsky selbst die Hauptrolle spielt. Der schwarzgekleidete Revolverheld El Topo kommt mit seinem Sohn Brontis (Jodos Sohn) in ein Dorf, in dem alle Bewohner einem Massaker zum Opfer gefallen sind. El Topo macht sich auf zu einem Rachefeldzug, lässt sich schließlich, um die Liebe der schönen Mara zu gewinnen, überreden, die vier Meister der Wüste zu töten. Später wird er in einer Höhle von Krüppeln als Gott angebetet.

Bericht auf Arte

„El Topo“ erlangte in New York als Midnight Movie neben Filmen wie „The Rocky Horror Picture Show“ und „Eraserhead“Kultstatus. John Lennon und Yoko Ono wurden Jodorowsky-Fans und stellten den Kontakt zum ehemaligen Beatles-Manager Allen Klein her, der das nächste Filmprojekt finanzierte:

Montaña Sacra (1973), alchemistische Suche nach der Unsterblichkeit, inspiriert von René Daumals Roman „Der Analog“.
Jodorowsky spielt den spirituellen Meister, der eine neunköpfige Gruppe von Adepten auf dem Weg zum Heiligen Berg anführt. Um das Geheimnis der Unsterblichkeit zu erlangen, muss jeder einzelne zunächst sein Ego überwinden, bis die Gruppe nur noch ein Bewusstsein hat. Die Dreharbeiten waren zugleich Selbsterfahrungstrip.
2005 schlüpfte Jodorowsky noch einmal in die Rolle des Alchimisten und vermählte Marilyn Manson und Dita Von Teese.
Das nächste Film-Großprojekt war 1975 Frank Herbert’s „Dune“. Nach jahrelangen Vorarbeiten (Orson Welles, Salvador Dalí und Pink Floyd sollten dabei sein) zog sich die Produktionsfirma jedoch zurück. Aus den Szenarien und Zeichnungen, die der französische Zeichner Moebius für das Projekt anfertigte, entstand später die Comic-Reihe „Der Incal“ – Jodorowsky nahm die Erfahrung lieber als Wegkehre denn als Sackgasse. Dune wurde 1984 von David Lynch verfilmt. 2013 präsentierte Frank Pavich auf den Filmfestspielen von Cannes seinen Dokumentarfilm "Jodorowsky's Dune" zu diesem großartigen Scheitern, das noch immer künstlerische Früchte hervorbringt.

Tusk (1980), Seelenfreundschaft zwischen einem Mädchen und einem Elefanten, vor dem Hintergrund der spirituellen Tradition Indiens.

Santa Sangre (1989), mit den Jodorowsky-Söhnen Cristóbal und Adán. Fénix flieht aus einer psychiatrischen Anstalt und wird als Rächer seiner Mutter, die von seinem Vater ermordet worde, selbst zum Mörder.

The Rainbow Thief (1990), Omar Sharif und Peter O’Toole in einem Fantasymärchen.

The Rainbow Thief

La Danza de la Realidad (2013), das Jahr 2012 verbrachte Jodorowsky nach über 20 Jahren der Film-Abstinenz wieder mit Dreharbeiten. In seiner chilenischen Heimatstadt Tocopilla drehte er einen gewohnt surrealen und provokanten Film auf der Grundlage seiner gleichnamigen Autobiographie. Jodorowskys Vater Jaime wird dabei von seinem Sohn Brontis verkörpert; seine beiden anderen Söhne Cristobal und Adán wirken ebenfalls mit - so ist die Filmkunst zugleich im psychomagischen Sinn ein Stück Familienheilkunst geworden.