Lehrer

Alejandro Jodorowsky ist nicht nur in der Kunst, sondern auch im Bereich der Spiritualität Zeit seines Lebens experimentierfreudig gewesen. Er hat sich ebenso mit Hinduismus und Sufi-Tradition beschäftigt wie mit Christentum und Kabbala, kennt I Ching und Tarot wie auch die Psychoanalyse, hat Meditation, Heilmassage und schamanische Reisen mittels halluzinogener Pilze am eigenen Leib erprobt. Heute ist er Lehrer und Inspiration für viele Menschen. Wichtig waren für ihn u.a.:

Ejo Takata war Jodorowskys erster wirklicher Meister. Jodorowsky lernte den zen-buddhistischen Mönch 1967 in Mexiko kennen und blieb ihm für Jahrzehnte verbunden. Von dieser Beziehung erzählt Jodorowsky ausführlich in seinem Buch „El maestro y las magas“ (dt. Der Meister und die Magier, liegt noch nicht auf Deutsch vor). Unter Ejo Takatas Anleitung praktizierte er Zazen und übte mit Koan. In Mexiko lebte Ejo Takata zeitweilig bei Jodorowsky. Bei der Theateraufführung „Zaratustra“ saß er zwei Stunden lang auf der Bühne und meditierte.

Jodorowsky und Takata
Alejandro Jodorowsky mit Ejo Takata bei der Aufführung von "Zaratustra" in Mexiko, © Alejandro Jodorowsky

In Ergänzung zur Zähmung des Intellekts und Überwindung der Leidenschaften, die der buddhistische Weg vorsieht, gewann Jodorowsky wichtige Erkenntnisse durch den Kontakt mit den „Magierinnen“. Fazit: Die angestrebte Leere ist eine Blume, deren Wurzeln in der Liebe verankert sind.
Die schamanische Heilerin Pachita
Pachita, © Alejandro Jodorowsky

Die schamanische Heilerin Pachita war ein wichtiger Einfluss für die Entwicklung der Psychomagie. Von ihr lernte Jodorowsky die Bedeutung der „heiligen Trickserei“, der gelungenen Mischung von Suggestion und Magie, kombiniert mit Glauben. Drei Jahre lang wohnte er als Assistent regelmäßig ihren psychochirurgischen Eingriffen bei. Dabei ließ Pachita in Trance „El hermano“ durch sich wirken – so nannte sie den Geist, mit dem sie in Kontakt trat, um heilen zu können. In Jodorowskys Hand materialisierte sie als Zeichen seiner heilerischen Gabe einen Ring mit einem Auge in einem Dreieck, dem Symbol seines Films „El Topo“.

Von Doña Magdalena lernte Jodorowsky in 40 intensiven Tagen eine einfühlsame, Körper, Geist und Seele behandelnde Massage. Doña Magdalena rettete Jodo eines Tages davor, von einer Gruppe von Strichjungen vergewaltigt zu werden, und führte ihn daraufhin in ihre Kunst ein. Mit minimalen Bewegungen entkleidete, badete und massierte sie ihn, Schicht um Schicht Altes und Vergangenes abschälend und heilend. „Kratzen“ nannte sie diese Technik. Dunkles und Dichtes wich Transparenz. Ähnlich intensiv wurden nach der Haut Knochen, Gelenke, Muskeln, Organe und Aura behandelt, bis physischer und psychischer Körper wie neugeboren waren.

Zu den schillernden Frauenfiguren, die eine Rolle in Jodos spiritueller Entwicklung spielten, gehörten außerdem die surrealistische Künstlerin Leonora Carrington und Gurdjieff-Tochter Reyna D’Assia.