Wenn die Arkana sprechen würden

Der Literat zum Tarot: Alejandro Jodorowsky leiht in „Der Weg des Tarot“ jedem der 22 großen Arkana seine Stimme, bringt die Archetypen jeder Karte zum sprechen. Als Beispiel „Der Kaiser“:

„Ich bin die Sicherheit, die Kraft selbst. Spreche ich in euch, so gebe ich euch zu verstehen, dass es keine Schwäche gibt. Solange ihr mich nicht kennt, kennt ihr nur die Unsicherheit. Ihr habt nicht die Macht, etwas zu machen, euch auszudrücken, euch zu widersetzen: Ihr seid Opfer. Aber mit mir lässt eure Angst nach. Ihr hört auf zu zweifeln und wertet euch nicht mehr ab. Niemand kann euch zwingen, etwas zu tun, was ihr nicht tun wollt.

Meine Gesetze sind die Gesetze des Universums in Aktion. Wenn man sich ihnen nicht widersetzt, sind sie unendlich friedvoll. Doch gehorcht man ihnen nicht, dann sind sie schrecklich. Ich kann in euch Krankheiten, Infarkte, Tumore, Zirrhosen entfesseln. Gehorcht ihr den Gesetzen nicht, die ich anordne, dann kann ich zerstören. Ich habe das Recht zu töten. Aber wenn ihr krank seid und ich in euch wohne, werde ich euch Schmerz und Schwierigkeiten überwinden lassen und Hindernisse auflösen. Ich bin die Gesundheit, die sich in einem schmerzenden Körper verbirgt.

Ich bin unbesiegbar. In einem Konflikt fackele ich nicht lange: Ich kämpfe. Ergeben tue ich mich nie. Ich bin die Gewissheit. Mich kann niemand entthronen.

Ich bin eine Achse, alles ordne ich rund um meine Gesetze. Ich bringe die Ordnung auf alle Arten zur Herrschaft, von der ganz sanften bis zur schrecklich heftigen. Wenn ich euch bewohne und ihr auf einen anderen Kaiser trefft, dann vereinen wir unsere Kräfte. Kein Wettstreit ist möglich, unter Königen gibt es keinen Kampf. Ich bin ein einzigartiger Archetyp, der in jedem von euch wohnt.
Wenn ich mich in eurem Körper manifestiere, seid ihr in vollkommenem Gleichgewicht, ihr könnt nicht straucheln. Mit mir ist der Körper der Mittelpunkt des Universums, er wird von einer immensen Kraft gehalten und kann allem widerstehen. Ich bin schrecklich ruhig. Wenn ich mich in eurem Mund, in eurer Muskulatur niederlasse, sind eure Worte exakt, ihr werdet nicht zittern. Alles in euch ist Ruhe: das organische Leben, die Gedanken, Wünsche, das Herz, die Erinnerung, Zeit und Raum.

Stellt mich wie eine unerschöpfliche Quelle in euer Zentrum, als Wurzel eurer Zukunft. Dann werden Angst und Beklemmung euch nicht daran hindern, zu leben oder euch zu verwirklichen, Ohnmacht und Faulheit werden euer Handeln nicht beherrschen. Keine Furcht vor dem Elend wird sich eurer Arbeit in den Weg stellen, ihr werdet euren eigenen Wohlstand bilden können. Die Gefühlsstürme werden euch nicht von eurem Werk ablenken, Schmerz und Krankheit euch nicht abhalten, eure Kraft zu spüren, nichts wird eure Konzentration brechen können.
Weder euer intellektueller Widerwille noch eure Schüchternheit oder eure Identifikation mit der Opferrolle, oder Leiden aus der Vergangenheit oder das schlechte Bild, das ihr von euch selbst habt, werden euch hindern, mich zu treffen, euren Kaiser. Wenn eine giftige Erziehung oder ein unheilvolles Wertesystem euch falsche Gesetze, unnütze Regeln eingeprägt hat, so schafft sie beiseite! Stellt eure eigenen Regeln auf, euer Arbeitssystem, eure Handlungen, ausgehend von den Gesetzen, die ich euch offenbare. Ich bin hier, ich tauche auf und hinter mir steht ein ganzes Heer, die Sonne, die Sterne, die Galaxien. Ich beschütze euch und rufe euch zur Kraft auf.

Ich bin euer innerer Krieger, der eure Schwächen sieht und nicht schwächelt.“