Die Kunst der Tarologie

Kartomantie à la Jodorowsky
Die Karten selbst sind der eigentliche Meister. Die 78 Karten - 22 große und 56 kleine Arkana - stellen eine Bildsprache dar, die es durch genaue Betrachtung zu verinnerlichen gilt. Zur Interpretation einer Kartenlegung muss man kein Hellseher sein oder über besondere Gaben verfügen: „Tarotisch“ kann man wie eine Fremdsprache erlernen.
Die Karten verändern ihre Bedeutung, je nachdem, mit welchen anderen Karten sie zusammentreffen oder in welcher Reihenfolge sie liegen. Auch hier sind der genaue Blick und die Bereitschaft zum assoziativen Denken des Kartenlegers gefragt: Alles hat eine Bedeutung, von der Ausrichtung der Figuren auf den Karten über die jeweils zugehörige Zahl bis hin zum Eindruck, den man vom Ratsuchenden gewinnt. Doch Obacht, der Tarologe macht keine Prophezeiungen und spricht auch nicht über die Zukunft! Er ist seinem Gegenüber behilflich, sich selbst zu ergründen, herauszufinden, wie Lage und Alternativen des Augenblicks sind.
Der Tarologe macht die Karten als Spiegel der Seele zugänglich. Der Ratsuchende selbst trifft auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse die Entscheidung, wie sein Weg weitergehen soll.
Spielen, ausprobieren, kombinieren: Zur stetig fortzuführenden Verfeinerung der eigenen Kenntnisse ist der Tarologe eingeladen, sich auszumalen, wie die Zeichnungen jenseits des Kartenrandes weitergehen, welche Stimme und Eigenheiten eine jede der Figuren wohl haben mag. Welche Arkana bilden Paare, wie sieht es mit weiblichen und männlichen Aspekten aus? Ein ganzheitlicher Entwicklungsweg aus zehn Stufen zieht sich durch die Karten, durch die Spielfarben verteilt auf vier Grundbereiche des menschlichen Daseins. Die numerologische Zuordnung macht auch die Deutung der kleinen Arkana leicht nachvollziehbar und erlernbar.

Marianne Costa
Marianne Costa, © Photo by E. Koulinska

Alle Karten zusammen kommen im Tarot-Mandala zu liegen: das Sonnenrad, Symbol des kreativen Wirbels. Erlaubt ist alles, was nützlich ist. Der Tarologe stellt sich in den Dienst derer, die seine Unterstützung suchen.